Waldgeister

Saramúséohmá Gothawé

Erzählerin unendlicher Lebens-Geschichten aus uralter Zeit

 

Eine lang vergangene Epoche erwacht erneut und wird sichtbar in dieser Welt

Nicht versunken ist die alte Zeit, nur du sahst sie nicht, weil du dich selbst vergessen

 

E l f e n   **    Elben   **   Z w e r g e  **  Féén

 

Vom Fenster unseres Hauses kann ich bis zum Wald sehen, der eine halbe Stunde Fußweg von uns entfernt ist.

Ich erinnere mich, als ich zum ersten Mal diesen Wald betrat. Ein Gefühl von Zuhause überkam mich, während ich über den weichen Waldboden schritt. Viele Male war ich seit dem dort. In dem wunderschönen grünen Wald, seinen hügeligen Landschaften und den Hügelgräbern aus vorkeltischer Epoche. Am schönsten war das grüne Moos, das in hellen und dunklen Farbnuancen in breiten Flächen satt und wuchernd den Waldboden überdeckte. Alles hier erinnerte mich an eine alte vergangene Zeit.

Ja, das innere Wesen des Waldes hatte viel zu erzählen..................aus einer Zeit, die mehr als 165.000 Jahre zurück liegt. Doch liegt sie wirklich so weit zurück? Ist sie Vergangenheit? Nein. Sie ist gegenwärtig, denn diese Zeit ist in mir. Ich bin diese Zeit und ich bin die Erlebnisse in der Geschichte, die ich selbst bin.

***

Es war vormittags gegen elf, als ich mich zu einem Waldspaziergang aufmachte. Die Sonne schien schon sehr warm zu dieser Zeit. Das Sonnenlicht fiel in langen Strahlen durch die Blätter der Bäume. Dampfend erhoben sich morgendliche Nebelwolken dem Licht entgegen. Die Strahlen des Sonnenlichts bildeten kleine grüne Inseln auf dem Moosboden des Waldes. Die Sonnenstrahlen streiften die dunkelgrünen Stämme der Bäume, tauchte alles ein in einen morgendlichen Zauber.

Ich stellte mich hinein in eine kleine Lichtoase, hielt mein Gesicht in die Sonne und atmete tief das helle Licht ein. Ich spürte den Nebel aufsteigen aus dem Waldboden, mich berühren mit dem Atem der Erde. Tautropfen schimmerten perlenartig auf den grünen Blättern, tropften in mein Gesicht. Goldgrünes Moos breitete sich aus wie ein weiter Flor. Es war kein Wind, doch die Baumstämme wiegten ihre Kronen und die Blätter berührten einander. Dadurch entstanden Töne, die leise zu einer Melodie sich fanden. Ich konnte es hören und leise summte ich mit ihnen.

Ein kleiner Elf saß auf einem Baumast. Seine kleinen hellgrünen Flügel hatte er zusammengefaltet. Hallo, grüßte ich ihn, was machst du hier?  Er breitete seine Flügel aus und setzte sich auf meine Schulter. Ich hab auf dich gewartet, sagte er mit einem feinen Stimmchen in seiner Elfensprache. Ich konnte ihn verstehen und antwortete ihm in seiner Sprache. Komm mit mir, ich will dir meine Familie vorstellen. Schon bewegten seine Flügel sich wie ein Propeller. Der kleine Elf turnte von Ast zu Ast, schlug kleine Purzelbäume in der Luft, und rief freudig immerzu in einem Singsang:    K i r a l u   K i r a l u

was heißen sollte: Wir kommen.

Ich eilte mit dem kleinen Elf über den grünen Moosboden. Von weitem sah ich zwei etwas größere Elfen über das Moos uns entgegen kommen. Auch sie sprachen in einem fröhlichen Singsang:

P u k a n i a    m a k i n a

Wir laden dich ein, mit uns zu kommen.

Ich nickte, einen Elf zur Linken und einen zur Rechten, so kamen wir leichten Fußes zu einer weiten grünen Oase. Eingesäumt in hohe Bäume und so dicht, dass man von außen nichts sah. Doch das innere der Oase wurde bestrahlt vom Sonnenlicht. Das Moos leuchtete hier nicht nur goldgrün, sondern es blieb goldgrün. Inmitten der Oase erhob sich ein Berg, fast drei Meter hoch. Der Berg hatte außen kleine Ausbuchtungen, man könnte sagen Balkone. Außen war der Berg über und über mit Schlingpflanzen und blühenden Rankgewächsen überwuchert. Kleine Elfen in bunter Kleidung kletterten darin umher und sammelten rote Früchte, die hier überreich in dicken Trauben wuchsen. Mehrere Eingangstüren führten rund um den Berg ins Innere. An anderer Stelle der Oase war eine bewohnte Siedlung aus großen Steinen. Die Steine waren keine Steine, sondern Häuser mit Fenstern und Türen. Kleine Gärten waren angelegt um jedes Steinhaus. Erdhügel, von Moos bewachsen, öffneten sich.

K i r a l u    j a m i n a

wir bringen Besuch mit

riefen die Elfen.

Überall war auf einmal Bewegung. Aus den Öffnungen der Erdhügel kamen kleine Zwerge. Sie lebten unter der Erde. Die Erdhügel waren nur die Tür nach oben. Ihre neugierigen Nasen schnupperten und ihre rotbraunen Augen blinzelten fragend ins Sonnenlicht. Was ist heute los? Was gibt es Neues? Fenster und Türen in der Steinsiedlung flogen auf. Aus jedem Fenster sah ein Gesicht und dann kamen sie heraus: Wesen, die etwas größer als die Zwerge waren. Die Bewohner der Steinhäuser. Sie hatten lange weiße Haare und dunkelbraune, fast schwarze Augen, die freundlich in die Runde blickten. Kleine Elfen kletterten vom großen Berg hinunter und purzelten durch die Luft direkt mir vor die Füße. Sie lachten fröhlich und kichernd hängten sie sich an meinen dunkelroten Rock.

Ich freute mich mit ihnen und sah mehrere große Elben aus den Türen des großen Berges kommen. Lange brombeerrote Haare fielen über ihre Schultern bis zum Boden. Lindgrüne Gewänder umhüllten ihre etwas mehr als 2 m großen Gestalten. Alle versammelten sich auf dem Festplatz, auf dem wirklich alle einen Sitzplatz hatten, nämlich jeder seinen eigenen. Die blieben dort auch stehen, weil keiner Lust hatte, sie ständig hin- und hertragen zu müssen.

 Die kleinen Elfen hingen meistens irgendwo in den Ästen der Bäume. Ihre kleinen Flügel schillerten in vielerlei Farben im Sonnenlicht. Die größeren Elfen schwangen in Hängematten, geflochten aus Schlingpflanzen. Die kleinen Zwerge saßen auf alten Baumwurzeln. Die Steinwesen auf ihren Steinsitzen. Die großen Elben bevorzugten Sessel aus geschliffenem Alabaster. Einen Tisch gab es nicht, statt dessen wurde in der Mitte ein großes goldenes Tuch ausgebreitet. Ein Elbenwesen sang einen Ton, dann sangen alle gemeinsam. Es klang wie ein singendes Gebet. Das goldene Tuch füllte sich mit Früchten für jedes Wesen.

Eine Stimme klang lauter als die der anderen.

 Ich lauschte, sie kam aus dem Berg. Ich sah, wie der Berg sich öffnete und ein Wesen heraustrat, das fast so groß war wie der Berg selbst. Der Berggeist. Singend und lachend grüßte er alle Wesen und auch mich. So aß ich mit den Wesen des Waldes, lachte und sang mit ihnen und jedes Mal, wenn ich meinen Spaziergang im Wald mache, begegne ich den Verwandten meiner Seele, worüber ich gern weiter erzähle............

 

 

 

 

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